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Oberwellenbelastung durch nicht lineare Verbraucher
Durch die steigende Zahl von nicht linearen
Verbrauchern, also Verbrauchern mit elektronischen
Netzteilen bzw. Regeleinheiten wird unser
Versorgungsnetz immer mehr verunreinigt und belastet.
Was sind nicht lineare Verbraucher?
Nicht lineare Verbraucher sind Geräte die mit Hilfe von elektronischen Baugruppen, die sinusförmige
Netzspannung von 230/ 400V, 50Hz zuerst einmal in eine Gleichspannung und dann künstlich in eine
wesentlich höhere frequentere sinusförmige Spannung zum Beispiel bei Netzteilen für
Computermonitore oder Fernsehgeräte in eine Frequenz circa 30kHz bis 40kHz umsetzt.
Weitere nichtlineare Verbraucher sind:
- Frequenzumrichter zur Steuerung von Elektromotoren
- Vorschaltgeräte von Leuchtstofflampen (EVG)
- Sparleuchten mit integrierten Vorschaltgeräten in E14 und E27 Ausführung
- Geräte der Unterhaltungselektronik
- Computernetzteile und Monitore
Künstliche Sinusspannung
Diese neue künstlich erzeugte Sinusspannung wird durch
eine Vielzahl von Rechteckspannungen
zusammen gesetzt. Durch diese Zusammensetzung werden Oberschwingungen erzeugt die der
Grundschwingung überlagert und ein vielfaches dieser sein kann. Ein Teil dieser Oberschwingungen
gelangen in das Versorgungsnetz und erzeugen Oberwellenströme.
Die elektronischen Verbraucher entsprechen in der Regel zwar den EN- Normen, Problem ist aber
mittlerweile die Häufung der elektronischen Verbraucher (nichtlineare Verbraucher) in den Netzen.
Insbesondere die unteren ungeraden Oberwellen wirken sich problematisch aus.
Grundwelle = 50 Hz
3 Oberwelle = 150 Hz
5 Oberwelle = 250 Hz
7 Oberwelle = 350 Hz
9 Oberwelle = 450 Hz
Diese Oberwellenströme addieren sich zum Strom der Grundwelle und belasten zusätzlich die
elektrische Anlage.
Die nachfolgenden Messungen zeigen eine Gegenüberstellung einer herkömmlichen Glühbirne mit
einer elektrischen Leistung von 60 Watt und einer vergleichbaren Sparleuchte mit einer elektrischen
Leistung von 11 Watt.
Messung an einer Glühbirne 60 Watt (ohmscher Verbraucher)

Das Oszillogramm zeigt die Darstellung der Sinusspannung (blau) mit dem dazu gehörenden
Stromverlauf (rosa). Der sinusförmige Stromverlauf ist genau um 180° gegenüber dem
Spannungsverlauf verschoben.

Die Messung zeigt keine Oberwellenanteile. Der linke
blaue Balken zeigt die Grundschwingung mit einer Frequenz
von 50 Hertz.
Messung an einer Sparleuchte 11 Watt (nichtlinearer
Verbraucher)

Das Oszillogramm zeigt die Darstellung der Sinusspannung
(blau) mit dem dazu gehörenden Stromverlauf (rosa). Der
Stromverlauf ist nicht mehr sinusförmig sondern sieht in der
ansteigenden Flanke abgeschnitten aus.
Der Strom verläuft nicht mehr sinusförmig gegenüber
seiner Spannung. Nachfolgendes Messdiagramm
verdeutlicht das dadurch entstehende
Problem

Das Diagramm zeigt bei 100% die Grundwelle mit einer Frequenz von 50 Hertz. Der ganz linke Balken
vor der Grundwelle zeigt sogar eine Gleichstrombelastung von 3,4% gegenüber der Grundwelle.
Das Diagramm zeigt ebenfalls, stark ausgeprägte Oberwellen von der 3 (150Hz) bis zur 15 Oberwelle
(750Hz) von 74,4% bis ca. 12% bezogen auf die Grundwelle, sowie eine Oberwellenbelastung,
verursacht durch das elektronische Vorschaltgerät, bis zur 49 Oberwelle (2450Hz).
Neutralleiter
Besonders die Belastung im Neutralleiter, die größtenteils durch die 3. harmonische Oberwelle
hervorgerufen, wird durch den stetigen Anstieg der nicht linearen Verbraucher immer größer.
Sie verursachen eine Gleichspannung im Neutralleiter.
Bei Anordnung unterschiedlicher elektronisch gesteuerter Verbraucher kann der Oberwellenstrom
der im Neutralleiter fließt, den bis zum 3- fachen Wert des Grundstromes erreichen.
Diese Überbelastung des Neutralleiters und der Klemmen führt bereits heute zu dessen Abbränden,
was in machen Fällen zu beachtlichen wirtschaftlichen Schäden geführt hat.
Brandgefahr
Die Obergrenzen der Oberwellenbelastung sind in nachfolgenden Normen enthalten
- Die Norm EN 61000-2-4 (Industrienetze) schreibt einen Gesamtoberwellenpegel also einen
Verzerrungsfaktor THD von maximal 8% vor. Der Verzerrungsfaktor ist eine quadratische
Summe aus der 3 bis zur 40 Oberwelle.
- Die Norm EN 50160, EN 61000-2-2 (öffentliche Netze) schreibt genaue Obergrenzen in % für
die einzelnen Oberwellen bis zur 40 vor.

Messung an einer Maschine mit Frequenzumrichter (Fluke
Netzanalysator 43B)
Die Oberwellenströme haben aber noch eine weitere unangenehme Eigenschaft, denn Sie erzeugen
in Abhängigkeit der Netzimpedanz Oberwellenspannungen. Je höher die Netzimpedanz, also der
Widerstand im geschlossenen Stromkreis des Netzes, mit steigenden Oberwellenströmen je höher
die Oberwellenspannung im Netz.
Werden zum Beispiel in einer Anlage eine Vielzahl von Frequenzumrichter verwendet, so summiert
sich der durch die Frequenzumrichter erzeugte Oberwellenstrom auf.
In Folge wird auf Grund der Netzimpedanz eine Oberwellenspannung im Netz abfallen
Die Größe der Oberwellenspannung hängt einerseits mit dem erzeugten Oberwellenstrom
zusammen, der durch die Anlage fließt und zum anderen mit dem Widerstand im Netz also mit der
Netzimpedanz.
Wird nun der Mittelspannungstransformator am Leistungsmaximum betrieben, so erhöht der
Transformator die Netzimpedanz und die Oberwellenströme lassen einen dementsprechend höhere
Oberwellenspannung im Netz abfallen. Das gleiche gilt auch für den Leitungswiderstand.
Es wird daher immer wichtiger bei Überprüfungen der elektrischen Anlagen die
Oberwellenbelastung des Netzes mit zu prüfen und gegeben falls dem Kunden Maßnahmen
aufzuzeigen um kommende Schäden zu vermeiden.
Wichtig ist dabei, dass Messgeräte eingesetzt werden, die Frequenzen bis mindestens
2500 Hz
messen können.

Messung der Netzqualität an einem Hausanschluß (Fluke Netzanalysator 43B).
Eine weitere Erzeugung von Oberwellen insbesondere von Oberwellen ab circa der 35 sind
unverdrosselte Kompensationsanlagen.
Diese Kapazitäten bilden in Verbindung mit dem Mittelspannungstransformator und der
Kundenanlage einen Schwingkreis, der zu unerwünschten Schwingungen (Oberschwingungen) führen
kann.
In früheren Anlagen wurden unverdrosselte Kompensationsanlagen oftmals auf der Sekundärseite
des Mittelspannungs-transformators angeschlossen. Diese Kompensationsanlagen sind auf den Transformator abgestimmt und haben die Aufgabe die
Blindleistung des Transformators zu kompensieren.
In Verbindung mit der nachfolgenden Kundenanlage kann es zu einer Schwingkreisbildung kommen.
Wird der Transformator im Leerlauf betrieben wird sich keine negative Beeinflussung zeigen.
Die nachfolgende Messung zeigt einen Transformator mit unverdrosselter Kompensationsanlage,
gemessen auf der Sekundärseite, im Leerlauf. Es sind keine unerwünschten Schwingungen
festzustellen.

Mit zunehmender Aufschaltung von Verbrauchern insbesondere von Oberwellenerzeugern kann sich
die Anlage aufschwingen.
Nachfolgende Messung wie vorher, jedoch unter Last. Deutlich sind unerwünschte Schwingungen auf
dem Oszillogramm festzustellen.

Kompensationsanlagen sind meist in Transformatorräumen untergebracht und haben keine direkte
mechanische Verbindung zum Transformator.
Diese Kompensationsanlagen werden teilweise beim erneuern von Transformatoren nicht
gewechselt.
Aber auch Kompensationsanlagen in der Kundenanlage zur
Kompensation von Beleuchtungsanlagen oder anderen induktiven
Verbrauchern können solche Schwingkreise bilden.
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